Ayurvegan – Teil 2: Milchersatz

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Wegen ihres hohen Kalzium- und Eiweißgehaltes galt Milch in den Industrieländern lange als wichtiges Grundnahrungsmittel. Immer mehr Menschen entscheiden sich jedoch dazu, auf Milch zu verzichten. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe.

Manche vertragen sie nicht, weil sie laktoseintolerant sind. Andere sind nicht mit der Tierhaltung oder der damit einhergehenden Ressourcenverschwendung einverstanden. Milch steht außerdem im Verdacht, Zivilisationskrankheiten wie Neurodermitis und Osteoporose zu fördern. Heutzutage enthält sie zudem oft Antibiotika, Wachstumshormone und Pestizide, was nicht wirklich appetitlich ist.

Milch im Ayurveda

Die Milch gilt im Ayurveda als wertvolles Nahrungsmittel. Aufgrund ihrer süßen, kühlenden und geschmeidigen Eigenschaften wird sie als regenerierend und verjüngend angesehen. Laut der alten ayurvedischen Texte nährt und beruhigt sie den Körper und sorgt für einen klaren, sanften Geist.

Diese Milch entstammt jedoch einer Kuh, die mit ihrem Kälbchen ein Leben in Freiheit genießen durfte. Der heutige Ayurveda sieht die moderne Milchindustrie eher kritisch. Er empfiehlt, nur solche aus biologischer Produktion zu sich zu nehmen.

Milch und ihre Erzeugnisse enthalten viel Kapha (kalt, nass, süß, fettig) und fördern beim Konsumenten entsprechende Eigenschaften wie Ruhe, Zufriedenheit, Gewebezunahme, Gewebszusammenhalt, Kühlung und Produktion schützender Flüssigkeiten (wie z.B. die Gelenkflüssigkeit).

Ein Zuviel an Milchprodukten kann sich in Kapha-Störungen wie Trägheit, Niedergeschlagenheit, übermäßiger Schleimbildung in den Atemwegen, langsamer Verdauung und Appetitlosigkeit äußern. Durch Wärme und die

Zugabe von scharfen und bitteren Gewürzen wie Kurkuma, Ingwer oder Kardamom können Kaphas die Milch(produkte) bekömmlicher gestalten.

Menschen mit einer Vata- oder Pitta-Dominanz leiden weniger schnell unter Kapha-Beschwerden. Sie können von den befeuchtenden und beruhigenden Eigenschaften der Milch profitieren. Für das trockene, leichte, oft nervöse Vata kann warme, leicht gewürzte Milch sehr wohltuend sein.

Pittas sollten aufgrund ihres schnell übersäuerten Körpers und sensiblen Leber fettige und sehr salzige Milchprodukte meiden. Für sie ist milder Frischkäse oder Quark besser geeignet.

Alternativen

Pflanzliche „Milch“, „Joghurt“ und Co lassen sich gut und einfach aus Getreide, Hülsenfrüchten und Nüssen herstellen.

Die wohl älteste Milchalternative ist die Kokosmilch. Sie ist sehr nahrhaft und eignet sich besonders gut für das hitzige Pitta.

Soja-„milch“ enthält viel Eiweiß. Ihr kalter Genuss erzeugt leicht Blähungen, gerade bei Vata.

Getreide wie Hafer, Dinkel und Reis enthalten wichtige Vitamine, Eiweiß und Mineralien wie Magnesium, Kalium, Eisen und Zink. Durch die natürliche Süße und die flüssige Form fördern sie (genau wie richtige Milch) das Kapha-Dosha und den Gewebeaufbau. Sie sind jedoch weniger fettig und wirken dadurch nicht so stark schleimbildend.

Nüsse bilden ebenfalls eine tolle Grundlage für Milchersatz. Besonders Mandeln sind reich an Kalzium. Durch den höheren Fettgehalt sollte Kapha von Nussmilch eher absehen, für Vata ist sie jedoch ideal.

Butteralternativen sind Mandelmus, Kokosfett oder vegane Margarine und sind genau wie die Butter stark Kapha-erhöhend. Gerade Kokosfett ist bei einer schwachen Verdauung ungeeignet.

Milchersatz-Produkte im Laden

Käufliche Milch- und Sahne-Alternativen enthalten nur einen kleinen Teil an Getreide oder Nüssen und dafür viel Wasser. Auch sind sie oft mit Öl, Verdickungsmitteln und Süßmitteln wie Zucker oder Agavendicksaft versetzt. So werden wieder die Kapha- Eigenschaften verstärkt.

Die meisten fertigen Käsealternativen sind auf Soja- oder Nussbasis und beinhalten viele Verdickungsmittel und Salz. Also ebenfalls Kapha-Booster!

Joghurtalternativen aus fermentierter, verdickter Soja- oder Kokosmilch sind leichter als Käse- und Butter und ihre pflanzlichen Pendants. Jedoch sind auch sie Kapha-fördernd.

DIY-Vorteile

Aus ayurvedischer Sicht ist es wichtig, sein Essen weitgehend aus frischen Zutaten selbst zuzubereiten.

Neben dem Frischeaspekt kommt nämlich auch dem individuellen Feeling eine bedeutende Rolle zu. So kann man selbst entscheiden, wie viele Nüsse mit wie viel Wasser gemixt werden. Oder welche Gewürze mit welcher Fettdosis in die Käsecreme kommen. Meist entscheidet man sich intuitiv für das, was der eigenen Konstitution und momentaner Verfassung am zuträglichsten ist.

Weitere Vorteile sind die Vermeidung von Abfall und das Schonen des Geldbeutels!

Im Gegensatz zu Milchprodukten können Milchalternativen leicht selbst hergestellt werden. Für eine „Milch“-Basis weicht man einfach Nüsse nach Wahl ein oder kocht Getreide, um diese danach mit Wasser zu einem gleichmäßigen Drink zu mixen. Danach kann man sie nach Belieben würzen oder sie als Basis für veganen Joghurt oder Käse verwenden.

Im Internet gibt es Hunderte Rezepte von Mandel-“Milch“ bis Kräuter-„Frischkäse“, von denen man sich zu eigenen Kreationen inspirieren lassen kann.

Wir haben Euch unsere Version hier aufbereitet

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Fazit

Vegane Milchalternativen können mit den positiven Aspekten der tierischen Milch mithalten. Und sie sind sogar gesünder, weil leichter verdaulich und reiner. Genau wie die Milchprodukte fördern sie das Kapha-Dosha und sollten durch Wärme sowie verdauungsfördernde Gewürze wie Zimt und Ingwer ausgeglichen werden.

Milchprodukte selber zu machen, hat jede Menge Vorteile und ist (nicht nur) für Hobbyköche eine interessante, neue Welt!

Lies auch von Nina Kass: Ayurvegan – Fleischersatz aus ayurvedischen Sicht