Nach Völlerei nun Detox – Was ist dran?

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Das alte Jahr ist zu Ende, ein neues wartet auf uns!

Wir blicken zurück auf zwölf Monate voller Ernährungstrends, ihre Halbwertszeit mal länger, mal kürzer. Schlagwörter und Hashtags  wie raw-till-four, nice-cream, food-pairing, zoodles, zoats, proats, smoothie-bowl, salad-in-a-jar und jede Menge Superfoods haben uns erneut gezeigt, dass Essen mittlerweile viel mehr kann, als nur das Hungerbedürfnis zu stillen: Essen ist Lifestyle, Ausdruck von Kreativität und Lebenseinstellung und bietet genau deshalb immer wieder Stoff für hitzige Diskussionen!

So sorgt gerade jetzt nach Weihnachten und Silvester ein immer wiederkehrender Dauerbrenner für neu entfachte Debatten und viele Fragezeichen: Die Rede ist von Detox.

Aber was verbirgt sich denn genau dahinter? Überall ist derzeit die Rede von Detoxing,  Cleanses und Healthy Days, um bloß die bösen Cheatdays der vergangenen Woche(n?) wieder auszubügeln und sich nicht direkt zu Jahresbeginn mit einem schweren Gewissen und angefutterten Pfunden zu belasten.

Puh – Ganz schön viel „Denglisch“, wenn man sich das so anguckt. Nachdem erst der Magen gefordert war, folgt wohl nun die schwere Kost für Kopf und Geist. Vereinfachen wir das Ganze lieber einmal, um unsere feiertägliche Entspanntheit nicht zu gefährden!

Das kleine Detox 1×1:

Was bedeutet Detox?

Detox ist die Abkürzung für Detoxification (engl.) und bedeutet übersetzt Entgiftung. Gemeint ist hier die Entgiftung des menschlichen Organismus. Das macht der Körper bereits alleine ununterbrochen über die Leber. Beim Detox  soll diese Arbeit noch unterstützt werden, indem möglichst wenige Giftstoffe über die Nahrung aufgenommen werden, dabei aber all jene Nährstoffe zugeführt werden, die dem Organismus die Entgiftungs-Arbeit erleichtern[1]. Ursprünglich stammen Entgiftungskuren aus der Homöopathie und dem Ayurveda. Da es keine einheitliche Begriffsdefinition gibt, existieren unterschiedliche Ansätze. Sie alle verfolgen jedoch das Ziel, Gifte und Säuren im Körper zu binden und anschließend auszuscheiden[2].

Was ist Detox nicht?

Es ist KEINE Diät und auch KEINE dauerhafte Ernährungsumstellung. Das Ziel einer Entgiftung ist nicht die Gewichtsabnahme! Detox bezieht sich immer auf einen befristeten Zeitraum, weshalb auch von Kuren die Rede ist.  Diese sollen der Reinigung und Sanierung des Körpers, insbesondere des Verdauungstraktes, dienen. Wenig belastendes wird zugeführt und der Abbau der vorhandenen Giftstoffe zusätzlich gefördert.

Entgiftung? Waren Muttis Plätzchen denn giftig?

Nein, höchstwahrscheinlich nicht. Wenn von Entgiftung die Rede ist, wird nicht davon ausgegangen, dass man pure Gifte verspeist hat (dann ab zum Notarzt!), sondern dass sich über kurz oder lang, abhängig von der Ernährungsweise, Stoffe im Körper ablagern, die den Organismus belasten und deshalb ausgeschieden werden müssen. Mit einer Entgiftungskur soll die Ausscheidung dieser Stoffe begünstigt werden. Es existieren unterschiedliche Vorstellungen von diesen Ablagerungen. Gerade im Kontext des Detoxing liest man immer wieder von sogenannten Schlacken.

Was sind Schlacken?

Der Begriff Schlacken ist wissenschaftlich weder definiert noch etabliert. Umgangssprachlich hat er sich jedoch festgesetzt. Ursprünglich bezeichnet Schlacke einen Rückstand aus einem thermischen Prozess (z.B. der Verbrennung von Steinkohle). Die Verdauung kann ebenfalls als Verbrennung von Nährstoffen verstanden werden. Auch hierbei entstehen Abfallstoffe – die Schlacken. Mediziner und Physiologen sprechen aber lieber von Ablagerungen oder Ausscheidungsprodukten des Stoffwechsels. Diese Ausscheidungsprodukte haben im Körper keine Verwendung und lagern sich stattdessen ab. Bekannt sind z.B. Harnsäureablagerungen in den Gelenken, die zu Gicht führen oder auch Ablagerungen an den Wänden der Arterien und Venen, woraus Arteriosklerose resultiert[3].

Und ist Fasten dasselbe?

Nein. Während Detoxing in der Praxis über leichte Kost, basische Ernährung, Saft- und Teekuren erfolgen kann, bezeichnet Fasten den vollständigen, freiwilligen Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel. Es handelt sich insbesondere um eine große geistige Leistung und ist nur möglich, wenn sich der Fastende in einer geistigen und psychisch stabilen Verfassung befindet.

Das Ziel des Fastens ist die mentale Festigung – NICHT die Gewichtsabnahme (gilt auch für Detoxing!) und Revitalisierung nach Weihnachten.[4]

Funktioniert Detoxing und tut mir das jetzt gut?

Tja, da gehen die Meinungen, wie so oft bei Ernährungs- und Gesundheitsthemen, auseinander. Trotz langer Tradition ist die Wirksamkeit von Entgiftungskuren wissenschaftlich nicht ausreichend begründet. Fest steht: Subjektive Erfahrungsberichte zeigen, dass sich viele Menschen nach einer Detox-Kur erfrischt und lebendiger fühlen und manche entsprechend zu Detox-Missionaren umsatteln. Allerdings ist Vorsicht geboten: Wo ein Trend ist, ist der nächste Verkäufer nicht weit. Der Markt wird mittlerweile von Detox-Teas, angeblich entgiftungsunterstützenden Kapseln und zahlreichen Pülverchen überschwemmt. Das ist in erster Linie Geldmacherei und nicht notwendig! Auch wenn die Produkte vielleicht nicht schaden, Wunder bewirken sie dennoch nicht. Wer eine Entgiftungskur machen möchte, sollte dies in Absprache mit einem Arzt und idealerweise einem Ernährungsberater durchführen, da große individuelle Unterschiede hinsichtlich der Verträglichkeit solcher Kuren existieren.

Und ohne Detox… was tut mir denn dann gut?

Erfahrungsgemäß müssen der Magen und die Verdauung während der Weihnachtstage einiges mitmachen: Große Mengen werden verzehrt, häufig fett- und kalorienreicher als man es vom Alltag her gewohnt ist und das in Kombination mit dem (vor-) weihnachtlichen Organisationsstress und all den lieben Verwandten… oh ja – das kann auf den Magen schlagen! Der ein oder andere Verdauungsschnaps nach dem Fest macht es nicht besser.

Dem Magen jetzt etwas Gutes zu tun, ist also durchaus eine sinnvolle Idee! Leichte, ausgewogene Kost hilft dabei, den Magen wieder zu entspannen und auf seine normale Größe schrumpfen zu lassen. Gedehnt nach weihnachtlichen Völlereien neigt er sonst dazu, immer mehr Essen einzufordern. Gewöhnt sich der Magen an zu große Mengen, versucht er auch seinen Menschen daran zu gewöhnen (schlechte Idee!). Also heißt es sanft und nachsichtig gegensteuern: Statt Radikaldiäten und Hungerkuren verwöhnen wir ihn und uns mit gut verdaulichen Gerichten[5], die mit erhöhtem Gemüseanteil wieder Stück für Stück den Kalorien- und Fettanteil unserer Mahlzeiten senken.

Hier ein paar tolle Rezepte, die dabei helfen können:

Puntarelle1

Puntarella Orange Walnuss

BohnenSalatPuntarelle2

Bohnen Ofengemüse

[1] Quelle: http://www.drfranklipman.com/what-do-you-mean-by-detox/

[2] Quelle: http://www.gesundheitsinstitut-deutschland.de/entgiftungskur/

[3] Quelle: Wacker, Sabine & Andreas (2012): 300 Fragen zur Säure-Basen-Balance, GU Verlag, S.37.

[4] Quelle: http://www.fastenzeit.com/was-ist-fasten.html

[5] Quelle: https://www.aid.de/downloads/tabelle_leicht_schwer_vertraegliche_lebensmittel.pdf