4 Ansätze, wie du dein Essen nachhaltiger gestalten kannst!

Sustainability

Was bedeutet eigentlich der oft verwendete Begriff „Nachhaltigkeit“ in Bezug auf Ernährung? Neben der Wirkung unseres Essverhaltens auf die individuelle Gesundheit wird hier zusätzlich noch der Einfluss auf drei weitere Dimensionen, nämlich Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft, betrachtet. Es handelt sich also um einen ganzheitlichen Ansatz, bei der ein Zusammenhang zwischen dem Essen auf unseren Tellern und seinen Erzeugungsprozessen in den (globalen) Wertschöpfungsketten hergestellt wird. Und je zukunftsfähiger, also nachhaltiger, diese Verbindung ist, umso besser ist sie für Mensch und Umwelt.

persönlich

Ernährung spielt eine wichtige Rolle um uns gesund, glücklich und fit zu halten. Dies gelingt zum Beispiel durch den Verzehr von frischen, saisonalen Lebensmitteln aus regionalem Freilandanbau, in denen durch die Einhaltung der richtigen Reife- und Erntezeiten der volle Geschmack und eine hohe Nährstoffdichte enthalten sind. Industriell stark verarbeitete Produkte sollten hingegen im Verbrauch reduziert und möglichst vermieden werden. Aufgrund unserer ständigen Zeitnot und unseres hohen Arbeitspensums greifen wir jedoch leider viel zu häufig zu nährstoffarmer Convenience Ware in umweltschädlichen Plastikverpackungen. Diese schlingen wir dann noch gehetzt auf der Straße zwischen zwei Terminen halb zerkaut und kaum verdaut in uns rein. Im Ergebnis bekommen wir meist Verdauungsprobleme gekoppelt mit Bauchschmerzen und sind zudem nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt.

Selber kochen und gemeinsam essen, ist Ausdruck traditioneller Esskultur und Balsam für die Seele. Genuss beim Essen verbindet – sei es in der Familie, unter Freunden oder Kollegen – und ermöglicht die Fokussierung auf das Wesentliche als kleine Auszeit in unserem oft so hektischen Alltag. Unsere Nahrungsmittel sollten daher frisch und ausgewogen sein und in Ruhe vorbereitet und verspeist werden, um uns mit den notwendigen Nährstoffen und Glücksgefühlen für eine optimale Gesundheit von Körper, Geist und Seele versorgen zu können.

ökologisch

Als Deutsche tragen wir pro Jahr nur mit unserer Ernährung, mit 2 Tonnen Kohlendioxidausstoß (CO2) pro Kopf, in hohem Maße (mehr als der gesamte Auto- und Flugverkehr) zur Verstärkung von Klimawandel und Ressourcenknappheit bei (BMUB 2015). Ausschlaggebend für diese negative Klimabilanz ist vor allem der Konsum von tierischen Nahrungsmitteln, wie Milchprodukten, Eiern und insbesondere Fleisch. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Butter aus konventioneller Herstellung erzeugt 24.000g (Bio: 22.000g) CO2 Äquivalente, ein Kilogramm Rindfleisch 13.000g (Bio: 11.000g) und frisches Gemüse lediglich 150g (Bio: 130g) (aid 2013).

CO2 Äquivalente

In ihrer Erzeugung durchlaufen Lebensmittel nach der Ernte in der Regel noch zahlreiche weitere Prozessschritte wie Verarbeitung, Verpackung, Vermarktung, Zubereitung, Entsorgung. Jeder einzelne Schritt stößt zusätzliche Treibhausgase aus, erfordert weitere Energiezufuhr und gefährdet den Nährstofferhalt in den Produkten. Daher ist der Kauf von unverpackten saisonalen Lebensmitteln aus lokaler und regionaler Erzeugung zu befürworten und vom Erwerb importierter Flugwaren und Waren in Plastikverpackungen abzuraten. Biologisch erzeugte Lebensmittel sind hinsichtlich der strikten Auflagen zur Verwendung von Pestiziden und chemischen Düngern vor konventioneller Ware zu empfehlen.

Eine pflanzenbasierte und möglichst unverarbeitete Kost („clean eating“) ist auch neben den Gesundheitsaspekten, die nachhaltigste und klimafreundlichste Ernährungsform.

wirtschaftlich

Ein Einkauf auf dem Wochenmarkt stärkt die regionale Wirtschaftskraft, sichert Existenzen und schafft Vertrauen zwischen Produzenten und Konsumenten. Im Gegensatz zum konventionellen Supermarkt ermöglicht dieser persönliche Austausch außerdem die Sicherung von Produktqualitäten und schafft Bewusstsein zur Wertschätzung gegenüber den Produkten und der Arbeit der einzelnen Erzeuger.

Sich nachhaltig zu ernähren bedeutet auch Geld zu sparen, indem wir energieeffizient kochen (Deckel verwenden), geplant einkaufen (mit Einkaufszettel) und weniger wegschmeißen. Jedes Jahr werden in Deutschland 6,7 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet, indem sie in der Tonne statt auf dem Teller landen. Das alleine entspricht schon einem finanziellen Verlust von 235 EUR pro Bundesbürger (BMEL 2016), den wir sehr leicht vermeiden könnten. Geld und CO2 kann außerdem noch gespart werden, indem wir unsere Einkäufe zu Fuß oder mit dem Fahrrad anstatt mit dem Auto erledigen.

sozial

Durch die Fokussierung auf eine pflanzliche Ernährung kann eine gerechtere Verteilung von Nahrung und somit ein wesentlicher Schritt zur Bekämpfung von Hunger ermöglicht werden. Derzeit werden in Deutschland hingegen über sechzig Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ausschließlich zum Anbau von Futtermitteln für die Erzeugung tierischer Produkte genutzt (BMEL 2016), welche direkt zur Anpflanzung von Lebensmitteln für den menschlichen Verzehr verwendet werden könnten. Im Gegensatz zu dem Druck auf bestimmte Ernteerträge in der industriellen Herstellung, beinhaltet eine ökologische Wirtschaftsweise außerdem die Berücksichtigung fairer Arbeitsbedingungen und das Zahlen angemessener Löhne.

Anbaufläche

Jeder Einzelne von uns hat es in der Hand zu einer nachhaltigen Ernährungsweise beizutragen, indem wir im Supermarkt, im Restaurant oder der Kantine bewusste Entscheidungen für unsere eigene Gesundheit und die von anderen Menschen, Tieren und der Umwelt treffen. Wir gehen mit unseren Messern und Gabeln praktisch täglich zur Wahl und können dabei leicht noch Geld, Energie und CO2 einsparen. Na dann guten Appetit und auf zum neuen nachhaltigen Genuss!

Quellen:
aid (2013): „Mein Essen – Unser Klima“
BMEL (2016): „Zu gut für die Tonne: Wie viel werfen wir weg?“
BMUB (2015): „Ernährung: Lebensmittel und Konsum“
Öko-Institut e.V. (2007): „Treibhausgasemissionen durch Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln“
Foto: Stocksy
Grafiken: Robert Werner

Video mit Denise zum Thema „Klimafreundliche Ernährung“