Vegane Produkte auf ayurvedisch TEIL 1 FLEISCHERSATZ

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Immer mehr Studien belegen die Vorteile einer veganen Ernährung für Mensch und Mitwelt.

Fest steht: Rein pflanzliche Kost schont nicht nur die Tiere, sondern auch Regenwälder, Ressourcen und das Klima! Sie reduziert das Risiko für Übergewicht und Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Probleme, Krebs, und Diabetes und ist frei von Wachstumshormonen und Antibiotika.

Auch aus ayurvedischer Sicht gibt es Gründe für die vegane Ernährung. Zunächst einmal ist der Ayurveda durch das hinduistische Prinzip des „Ahimsa“ (Gewaltlosigkeit gegenüber Mensch und Tier) geprägt. Zudem gelten die meisten pflanzlichen Nahrungsmittel im Gegensatz zu Fleisch als seelisch harmonisierend und leicht verdaulich.

Der Markt hat bereits auf die stets wachsende Nachfrage nach veganen Produkten reagiert. Mittlerweile besteht eine faszinierende Fülle an Alternativen zu Fleisch, Milch und Co: Vom Vanillesoja – zum Macadamia-Drink über Seitan- Geschnetzeltes bis hin zu veganem „Käse“. Doch sind diese Alternativen automatisch alle gesund, nur weil sie vegan sind?

In dieser Artikelreihe möchte ich die wichtigsten veganen Alternativen aus ayurvedischer Sicht beleuchten.

Hier kommt also Thema 1: FLEISCHERSATZ

Fleisch – reich an Eiweiß und Eisen – gilt als Spender von „Lebenskraft“. Viele Menschen können oder wollen sich ein Leben ohne Fleisch nicht vorstellen. Neben dem scheinbar so wichtigen Gesundheitsaspekt ist Fleisch für viele der aromatischste Bestandteil der Mahlzeit und daher schwer wegzudenken. Ein Menü ohne Fleisch? „Langweilig!“, meinen sie – und irren sich.

Im undogmatischen Ayurveda wird Fleisch teilweise als akutes Stärkungsmittel eingesetzt. Durch seine weichen, feuchten, meist schweren Eigenschaften und seinem süß-salzigen Eigengeschmack wirkt Fleisch nährend, erdend, Gewebe aufbauend. Fleisch aus Massentierhaltung gilt jedoch auch im Ayurveda als gesundheitlich eher problematisch.

Als Fleischalternative empfiehlt (nicht nur) der Ayurveda die Kombination von Hülsenfrüchten (Bohnen, Kichererbsen, usw…), Vollkorn-Getreide, ausreichend gesunden Fetten (Rapsöl, Olivenöl,…) sowie Nüssen und Kernen. So kann der Bedarf an Eiweiß, Fetten und Eisen auch ohne Fleisch gedeckt werden.

Richtig zubereitet, bringen auch sie Genuss in die Mahlzeit und Kraft in den Körper!

Hülsenfrüchte

Hülsenfrüchte und ihre Erzeugnisse sind Vata erhöhend, also wortwörtlich „Winde bildend“. Es ist darauf zu achten, dass sie warm und konstitutionsgerecht gewürzt sind.

Vata sollten dabei auf genügend Salz, eine leichte Schärfe und Säure (z.B. durch Zitronensaft) achten. Dies verhindert unangenehme Blähungen und das wertvolle Eiweiß kann wird optimal verwertet. Zudem sollte genügend Fett verwendet werden, um den gleichen erdenden und aufbauenden Effekt von Fleisch zu erreichen.

Kapha sollte aufgrund seines langsamen Stoffwechsels und der kühlenden Eigenschaften der meisten Hülsenfrüchte den Geschmacksfokus auf die Schärfe legen. Dies gelingt gut mit Chili, Pfeffer und Ingwer!

Pitta sollte es damit nicht übertreiben und geschmacklich eher auf leicht bitter (z.B. durch Kurkuma) und süß (z.B. durch die Zugabe von Mandelmus, gekochten Möhren oder Kokosblütenzucker) setzen. Noch leichter verdaulich werden Linsen und Co, wenn man sie über Nacht einweicht. Das spart auch Energie beim Kochen.

Geschälte Mungbohnen sind die am bekömmlichsten Hülsenfrüchte und daher Bestandteil der ayurvedischen Kurkost. Sie entlasten den Organismus und stärken ihn gleichzeitig.

Getreide

Vollkorngetreide ist reich an Mineralien wie Eisen und Zink.

Aufgrund ihrer süßen, schweren Eigenschaften sollte Weizen, Hafer und Dinkel von Kapha gemieden – oder durch bittere und scharfe Würzung ausgeglichen werden. Für Vata und Pitta sind sie jedoch wohltuend (außer bei einer Glutenunverträglichkeit).

Gut für Kapha sind Hirse und Pseudogetreide wie Quinoa und Buchweizen, weil sie leichte und austrocknende Eigenschaften haben. Vata und Pitta sollten sie darum mit einer Sauce oder einer gehaltvollen, cremigen Suppe und etwas Öl kombinieren.

Nüsse und Samen

Nüsse und Samen enthalten neben gesunden Fetten jede Menge wichtiger Mineralien wie Calcium, Zink, Eisen und Magnesium. Zudem sind sie eine bedeutende Quelle pflanzlichen Eiweißes. Ayurvedisch betrachtet erhöhen diese Nahrungsmittel Kapha: Sie sind kompakt, enthalten viel Fett und haben oft einen süßlichen Geschmack.

Bei einer Kapha-Dominanz sollten Mandeln und Co daher reduziert und bei der Zubereitung auf ausgleichende Maßnahmen wie Wärme und scharfe, bittere Gewürze geachtet werden.

Auch Pittas sollten es nicht übertreiben. Zwar liefern Nüsse und Samen ihnen das besonders von dieser Konstitution stark benötigte Eiweiß. Sie enthalten jedoch auch viel Fett, was bei Pitta im Übermaß zu Leber- und Hautproblemen führen kann.

Für Vatas ist diese Lebensmittelkategorie sehr förderlich: Durch Nüsse und Samen können sie die trockenen und leichten Eigenschaften von Vata ausgleichen und sich dadurch „ölen“ (wichtig z.B. in der Vorbeugung von Arthrose) und erden.

 

Fertigprodukte

Hülsenfrüchte und Getreide bilden die Basis zahlreicher Fertigprodukte, welche als Fleischersatz verkauft werden. Die meisten unter ihnen sind aus Soja (etwa Tofu oder Sojagranulat) und dem Weizengluten (Seitan). Es gibt aber auch solche aus Lupinen oder Linsen.

Die Produkte sind oft schon mit Salz, Pfeffer, Gemüsebrühe und Gewürzen wie Chili versetzt. Fertige Würzungen sind (logischerweise) nicht immer konstitutionsgerecht. Meist sind sie sehr salzig. Das kann bei Pitta zu Problemen wie übermäßigem Durst, Empfindungen von Brennen und frühzeitigem Ergrauen der Haare führen. Bei Kapha können u.a. Wassereinlagerungen und Trägheit gefördert werden.

Auch enthalten vegane Fertigprodukte oft künstliche Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker. Mit einem frischen und Lebenskraft spendenden ayurvedischen Nahrungsmittel hat dies dann nicht viel zu tun.

Fazit: Die oft teuren Fleischersatz-Produkte sind mehr nette Abwechslung oder Übergangshilfe als wirklich notwendig und gesund.

Mit Hülsenfrüchten und Getreide hat man die Basis für zauberhafte Gerichte, welche alle Nährstoffe abdecken und den Gaumen befriedigen. Von Linsen-Dhal mit Reis über Kichererbsen-Curry bis hin zu Linsenbratlingen auf Quinoa in cremiger Champignonsauce… Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!